Das genossenschaftliche Modell kommt nicht aus der Mode

Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Eschlkam-Lam-Lohberg-Neukirchen b.Hl.Blut eG

„Es geht uns gut“, „Unsere Mitarbeiter tragen 365 Tage im Jahr dazu bei, dass die Bilanz so positiv ist“, „Das genossenschaftliche Modell ist nicht aus der Mode“, „Wir sind eine gesunde Bank“ - so positiv hörten sich die Statements der beiden Vorstände Franz Wellisch und Harald Eisenreich bei der Vertreterversammlung am Dienstag im Gasthof Dimpfl Stadl an.

Die Anwesenden, darunter 70 wahlberechtigte Vertreter nahmen es sehr wohlwollend zur Kenntnis. Franz Wellisch freute sich über das große Interesse, besonders der vielen neu gewählten Vertreter an der Präsentation der Geschäftsdaten für das Jahr 2014.

Neben den vier Bürgermeistern der Marktbereiche begrüßte er besonders den Vertreter des Genossenschaftsverbandes Bayern Hauptrevisor Gerhard Ascherl, sowie die Kollegen der Vorstandschaft und des Aufsichtsrates.

Zu Beginn seiner Ausführungen beleuchtete der Finanzexperte die überbordende staatliche Regulierungswut, die marktwirtschaftlichen Prinzipien immer weniger Spielraum lasse, sehr kritisch. Er zitierte dazu den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard mit den Worten: „Wo wollen wir hinkommen, wenn niemand mehr die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bereit ist und jedermann Sicherheit im Kollektiv gewinnen möchte?“. 100 Jahre zuvor habe der Raiffeisen-Gründer schon ähnliches auf seine Fahnen geschrieben - "Hilfe zur Selbsthilfe mit eigener Verantwortung“, spannte Franz Wellisch den Bogen zur Genossenschaftsbank.

Die Niedrigzinspolitik

Zur auch für die Raiffeisenbank problematischen Niedrigzinspolitik zitierte er Wolfgang Schäuble, der Anfang Mai 2015 sagte: „Je schneller wir aus dieser Situation heraus kommen, desto besser." Dass es mit der Genossenschaft gut weiter gehe, dazu leisten die Vertreter einen wichtigen Beitrag. In seinem Bericht über das Geschäftsjahr umriss Franz Wellisch kurz die allgemeinen Konjunkturrahmendaten. Seit drei bis vier Jahren steige das BIP nun schon stetig, da könne man durchaus von einem Aufschwung sprechen. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,7 Prozent und die Inflationsrate bei 0,9. In Sachen Haushaltspolitik ist Deutschland ein Musterschüler. Fast unbemerkt erreichte der Bund 0,2 Prozent Haushaltsüberschuss - ein historisches Ereignis weltweit. Eigentlich müsste damit alles ein wenig teuerer werden und wenn es das nicht wird, greift normalerweise die Zentralbank ein und sorgt im Interesse eines stabilen Wachstums für eine Inflationsrate um 2 Prozent. In der Realität sind aber die Zinsen seit 2009 stetig gesunken. Die Laufzeitprämien werden immer weniger und die Rendite sinkt teilweise deutlich unter 0 Prozent. Dies ist eine unmittelbare Folge des Ankaufprogammes der EZB mit dem Ziel, die Inflationsrate auf 2 Prozent zu heben.

Wie geht es weiter?

Es gebe Experten, die meinen, die Zinsentwicklung werde zukünftig wieder der Konjunktur folgen. Nach Ansicht von Franz Wellisch wird die Niedrigzinsphase bis ins kommende Jahr reichen. Für die Raiffeisenbank bedeutet das Rückgang der Zinserträge zwischen 300.000 und 400.000 Euro im Jahr. Schwer vorhersehbar seien zudem die Auswirkungen der geopolitischen Risiken (Griechenland, Ukraine, E-Wende, IS). Die Bank sieht sich zudem mit unzähligen regulatorischen Vorgaben und Änderungen konfrontiert. 177 Gesetzentwürfe sind in Bearbeitung, die mehr Personaleinsatz und höhere Kosten zur Folge haben werden. Die Wettbewerbssituation wird für alle Banken schwieriger und anspruchsvoller. Und die Konsequenz? „Eigenkapitalbildung ist extrem wichtig für die Bank wie für jeden Sparer. Darum ist die Beratungsqualität von großer Bedeutung. Nehmen Sie unser Angebot an und messen Sie uns an unserem Anspruch, fair, transparent, persönlich und glaubwürdig zu sein", sagte der Vorstand. Die sicherheitsorientierte Anlagepolitik wird auch zukünftig beibehalten. Man habe keine Angst vor der Zukunft und werden die Gestaltungsmöglichkeiten in der Hand behalten.
Ein wenig kritisch beleuchtet sein Vorstandskollege Harald Eisenreich die Abwicklung aller und besonders der Bankgeschäfte über das Internet. Dann stellte er den Jahresabschluss des Jahres 2014 vor. Die Bilanzsumme beträgt 188.582.000 Euro, das ist ein Plus von 7,5 Prozent. Bei den Geldanalgen gingen die Kundenkredite um 191.000 Euro auf 63.869.000 zurück. Wertpapiere lagen bei 103.791.000 Euro (+10.480.000 Euro), Kreditinstitute 5.560.000 (-164.000), sonstiges Vermögen 15.182.000 Euro (+2.956.000). „Das ist ein Superergebnis trotz Niedrigzins und geschrumpfter Kreditsumme. Auch die Passivseite stelle sich besser als erhofft dar. Die Kundeneinlagen betrugen 140.396.000, was ein Plus von 9 Prozent bedeutet. Davon entfielen 52.550.000 auf Spareinlagen und 87.846.000 auf Girokonten/Termineinlagen. „Die meisten Stresstests für Banken zielen auf das Eigenkapital", wusste Harald Eisenreich. Hier stehe man super da und spare jetzt für schwere Zeiten.

Das Eigenkaptal betrug im Fonds für allgemeine Bankrisiken 8.600.000 Euro, die Kapitalrücklage 680.000 Euro, Rücklagen 11.030.000 Euro, Bilanzgewinn 413.000 Euro. Hinzu kommen 4.770 Mitglieder mit einem Geschäftsguthaben von 2.405.000 Euro.

Kritisch sah er die Regulierungswut auf nationaler wie europäischer Ebene, die unter anderem auch das Eigenkapital betrifft. Zinserträge lagen bei 4.929.000 Euro (-121.000), Warengeschäft/Rohertrag 1.748.000 Euro, Verwaltungsaufwand 4.894.000 Euro. Der Umsatz im Warengeschäft lag bei 14.886.000 Euro. Die Geschäftsfelder sind Agrar, Baustoffe, Fachmärkte und Brenn,-Treib-, Schmierstoffe.

Michael Schütz berichtete anschließend von der Arbeit des Aufsichtsrates, der in regelmäßigen Sitzungen vom Vorstand über die aktuelle Geschäftslage der Bank und des Warengeschäftes informiert wurde. Schütz verlas das Ergebnis der gesetzlichen Prüfung des Jahresabschlusses durch den Genossenschaftsverband Bayern.

Er bescheinigte allen Vorschriften entsprochen zu haben, sowie eine zweckmäßige Organisationsstruktur, die einen ordnungsgemäßen Geschäftsverkehr gewährleistet, ein solides Risikomanagement und zukünftig eine zufriedenstellende Ertrags- und sehr gute Vermögenslage. Der Aufsichtsrat billigte den vorgelegten Jahresbericht und empfahl den Vertretern, diesen wie folgt festzustellen: Bilanzsumme 188.582.053,93 Euro, Bilanzgewinn 412.949,15 Euro. Weiter schlug er vor aus den Gewinnen 118.325,35 Euro für die Auszahlung einer 5-prozentigen Dividende zu entnehmen. Die Zuweisung zu den gesetzlichen Rücklagen beträgt 140.000 Euro und die Ergebnisrücklagen 154.623,80 Euro. Die Versammlung stellte die Jahresrechnung fest und stimmte den Vorschlägen zur Gewinnverwendung zu.

Kundenbindung wichtig

Gerhard Ascherl dankte neben den Vorständen und dem Aufsichtsrat vor allem den Kunden, die das A und O für das Bestehen der Genossenschaft sind. Die erbetene Entlastung von Vorstandschaft und Aufsichtsrat erfolgte einstimmig. Die gesetzlich ausscheidenden Aufsichtsräte Hermann Lamecker (Eschlkam) und Heinrich Moser (Lohberg) stellten sich zur Wiederwahl und bekamen das Mandat für eine weitere Amtsperiode.

Als Letztes nutzte Bürgermeister Paul Roßberger die Gelegenheit, der Raiffeisenbank und ihren Mitarbeitern in den vier Marktbereichen zu danken. Er nannte sie eine Bank aus der Region für die Region, bei der der persönliche Kontakt noch große Bedeutung hat. Dadurch würden auch Arbeitsplätze erhalten.

Bild/Text: Kötztinger Zeitung

Blicken zufrieden auf einen postiven Jahresabschluss - die beiden Vorstände Harald Eisenreich und Franz Wellisch, mit den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Schütz, den wiedergewählten Aufsichtsräten Hermann Lamecker und Heinrich Moser sowie Hauptrevisor Gerhard Ascherl